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Barmbeker Baugeschichte: Heidhörn

 

Die Geschichte des ersten Laubenganghauses in Deutschland

 

Heidhörn – Eingang Schwalbenstraße 73

Braun-rote Farbe, eine raue Oberfläche und etwa dreieinhalb Kilogramm schwer. Der Backstein ist das prägende Baumaterial in Barmbek, das dem Stadtteil sein unverwechselbares Gesicht gibt. Eines der ersten Backstein-Wohngebäude Barmbeks ist die Wohnanlage Heidhörn 2 und 4. 1927 erbaut, befindet sich der langgestreckte Bau an der Fuhlsbüttler Straße auf mittlerer Höhe, direkt neben der U-Bahn-Brücke.
Foto ganz oben: Die Dachterrassen erfreuten sich an heißen Tagen großer Beliebtheit.

Neue Maßstäbe in Sachen Komfort

Das Wohngebäude im Heidhörn hat 133 Wohnungen und bot den Menschen beim Einzug einen für damalige Zeiten noch nicht dagewesenen Wohnkomfort: Zentralheizungen im Keller, die mit Kohle betrieben wurden, Wärmezähler, Bade- und Gymnastikräume, Waschküchen und Dachterrassen. Das Haus setzte einen neuen Standard und die damaligen Zeitungen überschlugen sich vor Lob, so sprach das Hamburger Fremdenblatt vom „fortschrittlichste[n] Großwohnhaus, das in Deutschland verwirklicht wurde“, der Hamburger Anzeiger vom „Paradies der Hausfrau“.

Heidhörn – Moderne Ausstattung der Wohnungen

Frische Brise für Wohlbefinden und Nachbarschaft

Genauso aufsehenerregend wie die Ausstattung war die Architektur des Gebäudes. Der Architekt Paul A. R. Frank wusste um den Wert einer guten Nachbarschaft und wollte den sozialen Zusammenhalt und den Austausch zwischen den Bewohnern fördern. Er setzte lange Laubengänge vor die Gebäude, über die die Wohnungen erschlossen wurden. Dadurch entstanden zufällige Begegnungen zwischen den Nachbarn oder man traf sich auf den Laubengängen und trank Kaffee. Ein weiterer Vorteil der Laubengänge war, dass die Wohnungen quergelüftet werden konnten und das Wohnen damit hygienischer und gesünder wurde. Diesem ersten Laubenganghaus Deutschlands folgten weitere, ähnliche Gebäude von Paul A. R. Frank, unter anderem am Schwalbenplatz, auf dem Dulsberg und in der Jarrestadt in Winterhude.

Heidhörn – Blick auf die Laubengänge

Bauboom und neue Sachlichkeit der 1920er Jahre

Heidhörn – Sachlichkeit prägt die Fassadengestaltung

Dass Backstein beim Bau der Wohnanlage in Heidhörn verwendet wurde, war eine Vorgabe des damaligen Oberbaudirektors Fritz Schumacher. Wie Paul A. R. Frank war Schumacher ein Anhänger des Neuen Bauens. Diese Architekturbewegung entwickelte sich während der Weimarer Republik in den 1920er Jahren. Im Gegensatz zur Gründerzeit, entstanden Fassaden, die Sachlichkeit und Klarheit betonten. Flachdächer ersetzen z. B. die gewohnten Giebel. Auch das Bauhaus, das 2019 sein hundertjähriges Jubiläum feiert, war ein Stellvertreter des Neuen Bauens.

Die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen war sehr bewegt. Nachdem die Hyperinflation von 1923 mit einer Währungsreform bewältigt wurde, begannen die Goldenen Zwanziger. Hamburg und der Hafen wuchsen wieder, Wohnraum aber blieb knapp, nachdem man die engen und miefigen Gängeviertel abgerissen hatte. Es war Fritz Schumachers neue Stadtentwicklung, die in Barmbek und Winterhude tausende neue Wohnungen für Arbeiter und Angestellten mit ihren Familien vorsah. Nicht verwunderlich, dass zu dieser Zeit viele Wohnungsbaugenossenschaften und private Wohnungsunternehmen entstanden. So auch die FRANK-Gruppe, die ihren Sitz in der Fuhlsbüttler Straße hat und deren Vorgängerunternehmen vom Architekten Paul A. R. Frank und seinem Bruder Hermann Frank 1925 gegründet worden war.

Zerstörung 1943 und Wiederaufbau 1952

Auf den Schwarzen Freitag 1929 folgte die große Weltwirtschaftskrise und mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 bahnte sich die ultimative Katastrophe des 20. Jahrhunderts an. Bei der Bombardierung Hamburgs am 30. Juli 1943 wurde auch die Wohnanlage Heidhörn komplett zerstört. Wer nicht in einem der Luftschutzkeller Zuflucht gesucht hatte und in seiner Wohnung geblieben war, hatte keine Überlebenschance.
Nach dem Krieg wurden die Laubenganghäuser mithilfe der alten Baupläne wiederaufgebaut und 1952 fertiggestellt. Soweit möglich, wurden sogar die alten Backsteine wiederverwendet.

Heidhörn – Zerstörung 1943 – Nur die Laubengänge bleiben stehen

 

Heidhörn – Wiederaufbau und Richtfest 1952

Heute immer noch stilprägend für Barmbek und beliebte Wohnanlage

Mittlerweile ist das Gebäude saniert und steht unter Denkmalschutz. In den Gewerbeflächen an der Fuhlsbüttler Straße befinden sich aktuell ein Kosmetikstudio und ein Waffelladen sowie eine Eckkneipe an der Schwalbenstraße. Dank dem üppigen Grün und den belebten Laubengängen strahlt die Wohnanlage der FRANK-Gruppe Ruhe und Gemütlichkeit aus und ist damit seit mehr als 90 Jahren ein Teil Barmbeks und der Fuhlsbüttler Straße.

Heidhörn – Eingang Schwalbenstraße 73

Die Veröffentlichung des hier verwendeten Text- und Bildmaterials erfolgt mit freundlicher Genehmigung der FRANK-Gruppe.

Kontakt:
FRANK-Gruppe
Clemens Thoma
Unternehmenskommunikation
Fuhlsbüttler Straße 216
22307 Hamburg

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